Montag, 23. April 2012

Schuhhaus Pallas


Autorin: Amelie Fried

Inhalt:
Als die bekannte deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin Amelie Fried im November 2004 einen Anruf bekam, war sie verwundert und bewegt zugleich. Bei Recherchen war ihr Mann auf einen in den USA lebenden jüdischen Verwandten namens Max Fried gestoßen.
Obwohl sie zunächst mit dem Namen nichts anfangen konnte, begann Fried nachzuforschen und stieß auf eine unglaubliche Familiengeschichte rund um das Schuhhaus Pallas, ein Ulmer Schuhgeschäft in der Nazi-Zeit. Sie fand heraus, dass auch Verwandte von ihr ermordet wurden oder Zwangsarbeit leisten mussten.
Sofort begann alles Gefundene aufzuschreiben, mit dem Ziel das alte Schweigen, welches schon fast zur Familientradition gehörte, zu brechen…

Infos zum Buch:
"Schuhhaus Pallas" ist im Heyne Verlag erschienen, hat 208 Seiten und kostet als Taschenbuch € 8,95 [D]. Die gebundene Ausgabe aus dem Hanser Verlags kostet € 14,90 [D].
Es gibt keine Fortsetzungsbände, da das Buch in sich abgeschlossen ist.
Empfehlen würde ich es ab etwa 13 Jahren.

Cover:
Die Aufmachung des Buches finde ich eigentlich ganz in Ordnung, für so eine Dokumentation sogar relativ gut gelungen. Klar, man hätte mehr daraus machen können, dennoch passt es zur Geschichte und ich kann keinen richtigen Kritikpunkt finden.

Autorin:
Derzeit moderiert Amelie Fried das neue Literaturformat des ZDF "Die Vorleser". Die Autorin Amelie Fried wurde 1958 in Ulm als Tochter eines Verlegers und einer Buchhändlerin geboren. Amelie Fried lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Nähe von München. Nach dem Abitur studierte sie Theaterwissenschaften, Publizistik, Kunstgeschichte und Italienisch in München. Während ihres Studiums arbeitete sie in freien Theatergruppen. Im Jahr 1989 schloss sie den Studiengang Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München ab. Seit 1984 arbeitet sie als TV-Moderatorin. Sie moderierte Sendungen wie "Live aus dem Alabama", "Live aus der Alten Oper" und "Stern-TV". Derzeit moderiert Amelie Fried das neue Literaturformat des ZDF "Die Vorleser". Ihre Romane "Traumfrau mit Nebenwirkungen", "Am Anfang war der Seitensprung", "Der Mann von nebenan", "Glücksspieler", "Liebes Leid und Lust", "Rosannas Tochter" und Die Findelfrau wurden Bestseller. Vier der Romane wurden verfilmt. Zum Spielfilm "Der Mann von nebenan" wurde 2005 der fortsetzende Film "Der Mann von nebenan lebt" produziert.

Meine Meinung:
Als erstes muss ich gleich mal loswerden, dass die Geschichte keineswegs eine langweilige Dokumentation ist - im Gegenteil. Klar ist das Buch realitätsnah, weil es ja an keiner Stelle erfunden wurde, jedoch nicht langweilig. Die eigentliche Handlung wird erst Stück für Stück aufgedeckt, sodass immer ein wenig Spannung erhalten bleibt.
Die Geschichte, die in Amelie Frieds Familie passiert ist, ist wirklich berührend. Es ist unglaublich, dass so etwas wirklich einmal vor sich gegangen ist, dass es wirklich geschehen konnte. Meiner Meinung nach ist es ein tolles Buch, um etwas über die Nazi-Diktatur zu erfahren, ohne dabei unnötig belehrt oder unterrichtet zu werden. An keiner einzigen Stelle hatte ich das Gefühl, dass die Autorin mit dem Zeigefinger auf die Leute zeigt, die dafür verantwortlich waren.
Generell ist der Schreibstil sehr gut, keineswegs niveaulos und trotzdem nicht zu kompliziert. Zwar lässt er sich nicht wirklich schnell lesen, was aber auch am Inhalt liegt. Dazu später mehr. Toll finde ich, dass Amelie Fried an passenden Stellen Fotos eingebunden hat, sowie manchmal auch Briefe und Dokumente. Dadurch gewann das Buch deutlich an Lebhaftigkeit, es wurde spannender und abwechslungsreicher.
Da das jetzt alles positive Aspekte waren, komme ich mal zu meinen beiden (wirklich kleinen) Kritikpunkten:
Zum einen war da, wie schon vorher angesprochen, der Inhalt. Klar, da kann die Autorin wenig ändern - dennoch hatte ich oftmals das Gefühl, sie hätte bestimmte Gelegenheiten ausgelassen oder in der Reihenfolge vertauscht. Kurz gesagt erschien mir das Buch teils nicht so durchdacht, wie ich es  mir gewünscht hätte. Schade eigentlich, dass dieses Potenzial nicht 100-prozentig genutzt wurde... Deshalb und auch weil es sich bei der Geschichte nicht um leichte Kost handelt, brauchte ich für eine Seite länger als sonst und für das ganze Buch verhältnismäßig lange, obwohl es eher dünn ist.
Zum anderen war ich gelegentlich der Ansicht, dass die Autorin ihre Leser als unwissend empfand. Vielleicht war es auch nur gut gemeint, aber warum müssen bitte Begriffe wie "Hitlerjugend", "BDM", "Holocaust", "Pallas Athene", "arisch", "NSDAP", "Bücherverbrennung", "Weiße Rose", "Gestapo", "KZ Dachau", "bürgen", "Weimarer Republik" etc. in ein Register aufgenommen werden? Wer denkt denn, dass Menschen, die dieses Buch lesen, nicht einmal einigermaßen über die damalige Zeit Bescheid wissen? Wirklich schade, dass Amelie Fried ihre Leser als so unwissend empfindet. Aber wie gesagt, vielleicht war es ja nett gemeint…

Fazit:
Wer ein authentisches, nicht zu langweiliges und gut geschriebenes Buch zu diesem Thema lesen möchte, ist mit diesem wirklich sehr gut bedient! Ich kann es nur als lesenswert an euch alle weiterempfehlen, trotz der beiden kleinen Kritikpunkte.

♣♣♣♣♣♣♣♣♣♣ (8 von 10 Punkten)

Kommentare:

  1. Endlich hast du es rezensiert ;)
    Gute Rezi :*
    Hab noch ungelesen "Die Findelfrau" von der gleichen Autorin hier liegen ^^

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    1. Danke!! :)
      "Die Findelfrau" hab ich auch noch auf meinem SuB, das lese ich sicher bald mal :)

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